MTS-Modellbau

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Modelle sind Meisterwerke im Miniaturformat. Mit welcher rekordverdächtigen Detailverliebtheit Künstler dabei zu Werke gehen können, beweisen zwei Profi-Modellbauer aus dem bayrischen Miesbach: An ihrem aktuellen 1-zu-50-Modell des MTS-Wechseladapterverdichters tüftelten sie inklusive der 5 zugehörigen Grundplatten rund 4 Wochen. Die bislang größte Herausforderung ihrer Laufbahn schließt eine Lücke auf dem Tiefbau-Modellbaumarkt.

„Eigentlich ist unser Grundgedanke ganz einfach: Je mehr Details man in ein Modell reinbekommt, desto mehr beginnt es zu leben“, meint Bernhard Taubenberger, der sich bereits seit 30 Jahren mit immer komplexer werdenden Miniaturnachbildungen beschäftigt. 

MTS-Wechseladapterverdichter schließt Lücke im Modellbaumarkt

„Beim MTS-Verdichter hat uns neben dem technisch ausgereiften Design vor allem die Wechslervorrichtung mit den 6 Wechselplatten inspiriert.“ Für die detailgetreue und funktionierende Umsetzung des Klickmechanismus hatte er mit dem von ihm entwickelten OilQuick-Schnellwechsler-Modell bereits eine Vorlage auf Lager: Selbst gefräste Polysterolelemente, die die nötige Materialstabilität und -elastizität unter einen Hut bringen. „Die 6 Wechselplatten haben wir mit sogenannten Ätztechnik-Teilen hergestellt: Platten mit zwei Nuten, die an den Seiten hochgeklappt und mit einem Zahntechnik-Kleber verbunden werden.“ Damit auch beim Abblättern der Lackierung maximale Ähnlichkeit zum Original gewahrt bleibt, ließen es sich die detailverliebten Modellbauer nicht nehmen, trotz Mehrkosten mit Silber- statt mit Messingplatten zu arbeiten.“ Die Produktionszeit für das fertige Komplett-Set: mehrere Stunden. 

Modellbauer

„Mein Tag hört selten vor zwei Uhr nachts auf, aber das ist okay: Mich reizt das Bauen und nicht das Besitzen“, meint Berhard Taubenberger, der trotz seiner 30-jährigen Modellbau-Leidenschaft nicht mehr als 10 der Modellbaumaschinen in seinen Regalen sein Eigen nennt. „Wenn wir mal ein Modell kaufen, dann nur, um es zu zerlegen und auf unseren Anspruch hochzutunen.“ Beim Hitachi ZX870-Abbruchbagger, seinem bislang größten Projekt, hat ihn und seinen Kollegen das Hochtunen locker 900 Stunden gekostet.

Den Modellbaumarkt beschreibt Taubenberger so: „Rund 99 Prozent des Kuchens werden von großen Herstellern bestückt, die mittels hoher Einstiegsinvestitionen und Mindestauflagen den Stückpreis auf ein Minimum bringen. Das restliche Prozent teilen sich Kleinserienhersteller, von denen aber keiner so ins Detail geht wie wir.“ Darum öffnen sich ihm auch immer wieder neue Nischen. „Beispielsweise größere Modelle als Produkt-Vorschau oder Alternativ-Präsentation. Messestände werden eben kleiner. Und so kommt ein detailgetreues Modell immer noch günstiger als Transport und Logistik für einen 200-to-Bagger.“ Die Zukunft des Modellbaus sieht Taubenberger im 3D-Druck. Aber der ist zum aktuellen Zeitpunkt wirtschaftlich noch nicht umsetzbar.